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Update COVID-19, Krankenhausinfektionen und Multiresistenzen, Pro und Contra zur Impfpflicht, Klima und Infektionskrankheiten:
Highlight-Sitzungen des 15. Kongresses für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin KIT 2021
München/Berlin 2021 – Erstmals virtuell findet vom 16. bis 19. Juni 2021 der 15. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin, KIT 2021, statt. Der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) wird in Assoziation mit der 27. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) veranstaltet. Eine Auswahl der Highlight-Themen des wissenschaftlichen Programms finden Sie untenstehend. Das vollständige Kongressprogramm ist unter https://www.kit-kongresse.de/assets/kit_2021_tp.pdf einsehbar.
COVID 19 – Therapie, Impfungen, Forschungsnetzwerke und globale Perspektive
Welche Rolle spielt das Darm-Mikrobiom bei COVID-19? Welche Wirkstoffe gegen SARS-CoV-2 sind in der Pipeline? Wie ist der aktuelle Stand bei den Impfstoffen? Wie bündeln die Projekte des Netzwerks Universitätsmedizin – etwa NAPKON, B-FAST oder COVIM – Kompetenzen und Ressourcen, um Forschung und Erkenntnisse zu SARS-CoV-2 voranzutreiben? Und wie sehen Handling und Auswirkungen der Pandemie in anderen Ländern aus? Wie schwer verläuft COVID-19 bei Kindern? Das Thema COVID-19 wird einen breiten Raum auf dem diesjährigen Kongress einnehmen und in zahlreichen Sessions interdisziplinär – Infektiolog:innen, zusammen mit Epidemiolog:innen und Virolog:innen – beleuchtet.
Auswahl Veranstaltungen:
Symposium: Mikrobiom und COVID-19, 16. Juni 2021, 19.30-20.30 Uhr
Symposium: Reisen in pandemischen und postpandemischen Zeiten, 16. Juni 2021, 15.45-16.45 Uhr
Symposium: COVID-19 – Hygienekonzepte und Pandemiemanagement, 17. Juni, 12-13 Uhr
Symposium: COVID-19 – Therapie und Nachsorge, 17. Juni 2021, 13.15-14.15 Uhr
Symposium: Update SARS-CoV-2-Impfung, 19. Juni 2021, 10.15-11.15 Uhr
Symposium: COVID-19 global – wie läuft es woanders? 17. Juni 2021, 19.30-20.30 Uhr
Symposium: Netzwerk Universitätsmedizin – Chancen für die Infektionsforschung, 19. Juni 2021, 19.30 Uhr-20.30 Uhr
Symposium: Hot topics: PIMS-TS und MIS-C, 18. Juni 2021, 17.00-18.00 Uhr
Plenarvortrag Christian Drosten: „Mutationen, zukünftige Bedrohungen, Herausforderungen“, 18. Juni 2021, 18.15-18.45 Uhr
Impfpflicht – Pro und Contra-Debatte
Seit März 2020 gilt in Deutschland eine Impfpflicht gegen Masern – Kinder und einige Erwachsenengruppen müssen den entsprechenden Immunschutz nachweisen. Mit der Coronapandemie gewinnt das Thema Impfen und Impfpflicht erneut an Aktualität. Bei einer Pro- und Contra-Debatte werden die Chancen und Risiken, Impfungen verpflichtend zu gestalten, aus Sicht von Infektiolog:innen und niedergelassenen Kinderärzt:innen sowie aus sozialpsychologischer Perspektive diskutiert.
Symposium: Impfpflicht – Pro- und Contra-Debatte, 18. Juni 2021, 19.30-20.30 Uhr
Multiresistenzen und nosokomiale Infektionen – zentrale Rolle der Infektiologie
Die Verbreitung multiresistenter Erreger gehört zu den größten Gesundheitsbedrohungen weltweit. Insbesondere für geschwächte Klinikpatient:innen können diese Erreger gefährlich werden. Doch längst nicht alle der sogenannten Krankenhausinfektionen werden durch multiresistente Bakterien ausgelöst, die meisten gehen auf sensible, also nicht-resistente, Erreger zurück – stellen aber gleichermaßen eine große Herausforderung dar.
Wie wirksam und evident sind welche Maßnahmen, um Infektionen in Kliniken zu verhindern? Und welche neuen Ansätze gibt es speziell zur Bekämpfung multiresistenter Erreger in Kliniken?
Symposium: Infektionsprävention – Harry Potter und der Stein der Weisen, 16. Juni 2021, 15.45-16.45 Uhr
Symposium: MRE und nosokomiale Infektionen bei Erwachsenen, 17. Juni 2021, 15.4516.45 Uhr
Symposium DGPI: MRE und nosokomiale Infektionen bei Kindern, 18. Juni 2021, 12.00-13.00 Uhr
Symposium: Komplizierte Infektionen richtig behandeln, 18. Juni 2021, 19.30-20.30 Uhr
Symposium: Antibiotic Stewardship, 17. Juni 2021, 19.30-20.30 Uhr
Klima und Infektionen – eine Wechselwirkungsanalyse
Wie wird sich der Klimawandel auf die Entstehung und Verbreitung von Infektionskrankheiten auswirken? Bleiben Fälle mückenübertragener tropischer Infektionskrankheiten in Mitteleuropa Einzelfälle oder werden sie deutlich zunehmen? Und falls ja, wo? Mit welchen neuen klinischen Bildern ist aufgrund des Klimawandels zu rechnen?
Symposium: Klima und Infektionen – eine Wechselwirkungsanalyse, 16. Juni 2021, 19.30-20.30 Uhr
Als Journalist:in laden wir Sie herzlich ein, am 15. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin teilzunehmen, für Ihre Recherche zu nutzen und darüber zu berichten. Bitte senden Sie für eine Akkreditierung für die wissenschaftlichen Veranstaltungen des Kongresses den Scan/das Foto Ihres Presseausweises an schoeffmann@medizinkommunikation.org.
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Antwortformular für Journalistinnen und Journalisten:
O Ich werde am KIT 2021 teilnehmen (bitte lassen Sie uns für die Akkreditierung den Scan/das Foto Ihres Presseausweises oder das Beauftragungsschreiben der Redaktion zukommen: schoeffmann@medizinkommunikation.org)
O Ich kann leider nicht teilnehmen. Bitte schicken Sie mir im Anschluss an die Pressekonferenzen/den Kongress das Informationsmaterial für die Presse.
O Bitte informieren Sie mich kontinuierlich über aktuelle Themen des Kongresses und der DGI.
O Bitte schicken Sie mir keine Informationen mehr zu.
Meine Kontaktdaten:
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Pressekontakt für Rückfragen:
Pressestelle KIT 2021
Juliane Pfeiffer/Heinke Schöffmann
Tel.: +49 711 8931-693/-442
pfeiffer@medizinkommunikation.org
v. l. n. r.: Ingo Reifgerste, Beiratsvorsitzender der RG-Bau und ges. Gesellschafter der Schleiff Bauflächentechnik GmbH & Co. KG; Christina Hoffmann, Leiterin der RG-Bau im RKW Kompetenzzentrum; Prof. Dr.-Ing. Martin Ferger, Fachhochschule Aachen; Bildquelle: RKW Kompetenzzentrum
Eschborn, 01. Juni 2021. Bereits zum 20. Mal wurden heute – coronabedingt in einem Livestream – die besten Arbeiten aus den Bereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Baubetriebswirtschaft sowie Handwerk und Technik ausgezeichnet. Zusätzlich wurde ein Start-up vom Vorsitzenden des Beirats der RG-Bau, Ingo Reifgerste, mit einem Sonderpreis geehrt. Eine weitere Auszeichnung, der Sonderpreis der Ed. Züblin AG, wurde durch Dr. Ulrich Klotz, Vorstand Ed. Züblin AG, übergeben.
In ihrem Grußwort würdigte die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Elisabeth Winkelmeier-Becker, die digitalen und vor allem innovativen und praxisnahen Lösungen der jungen Talente. Sie hob hervor, dass IT am Bau nicht nur bedeute, digitale Möglichkeiten zur Verbesserung des Planens, Bauens und Betreibens zu nutzen, sondern damit der ganze Lebenszyklus eines Bauwerks bestmöglich gesteuert werden könne. So könnten viele Abläufe effizienter und smarter gestaltet werden.
Die Preisträgerinnen und Preisträger präsentierten ihre Projekte im Livestream und erklärten dem Publikum, welche Innovationskraft und Potenziale die Digitalisierung für die Unternehmen der gesamten Wertschöpfungskette Bau bietet.
„Die Auswahl einzelner Arbeiten ist bei solch qualitativ hochwertigen und zukunftsorientierten Resultaten nie besonders einfach. Insbesondere dann nicht, wenn die gesamte Bauwirtschaft davon profitiert. Jährlich erreichen uns eine Vielzahl an innovativen und vor allem praxisnahen Entwicklungen und Lösungsansätzen, die gerade in Zeiten eines merkbaren Wandels der gesamten Wertschöpfungskette Bau richtungsweisend sind“, so Christina Hoffmann, Leiterin der RG-Bau im RKW Kompetenzzentrum.
Die Veranstaltung wurde moderiert von Prof. Dr.-Ing. Martin Ferger von der Fachhochschule Aachen.
Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger:
Bereich Architektur
1. Platz: „Digital Blockhouse Fabrication - Digitale Entwurfs- und Fabrikationsmethoden für den Blockhausbau“, Lukas Kirschnick, Bauhaus-Universität Weimar
2. Platz: „Co-design Community - Kollektives Wohnen und Kollektives Entwerfen“, Cong Liu und Rong Peng, Technische Universität München
3. Platz: „Entwicklung einer Methode zur Automatisierung der Gebäudeökobilanz unter Einbindung der digitalen Planungsmethode Building Information Modeling (BIM)“, Jannick Höper, Technische Hochschule Köln
Bereich Baubetriebswirtschaft
1. Platz: „PlanWise - Regelbasiertes Prozessplanungstool“, Lars Hühnken, Technische Universität München
2. Platz: „Anpassungs- und Umnutzungsfähigkeit von Produktionshallen“, Anne Harzdorf, Technische Universität Dresden
3. Platz: „Programmierung eines Prognose-Algorithmus für Kranauslastungen unter Berücksichtigung von Produktivitätsverlusten während der Bauausführung“, Thore Neizel, Technische Universität Hamburg
Bereich Bauingenieurwesen
1. Platz: „Standardisierung von brandschutzrelevanten Attributen in der IFC-Schnittstelle – Welche sind für eine erfolgreiche Genehmigung erforderlich?“, Janna Walter, Technische Hochschule Mittelhessen
2. Platz: „Erweiterung offener Datenformate zur verbesserten Koordination der modellbasierten Schlitz- und Durchbruchsplanung“, Segvan Hasan, Ruhr-Universität Bochum
3. Platz: „Encodierung von BIM-Geometrien anhand Graph-Neuronaler-Netze – ein Weg zu as-built Modellierung“, Fiona Collins, Technische Universität München
Bereich Handwerk und Technik
1. Platz: „Spielerisch zum Erfolg mit Learning-Apps“, Heiko Micksch, Technisches Berufskolleg Solingen
2. Platz: „CheckandWork.de - Kooperieren statt Konkurrieren“, Markus Holl und Marcel Jäger, CHECK AND WORK
3. Platz: wurde dieses Jahr nicht vergeben
Den Sonderpreis Start-up geht an das Team Jörg Gerl und Dr. Hasnain Bokhari von der 1000WB GmbH. Den Sonderpreis der Ed. Züblin AG erhält Isabella Deininger, Technische Universität München.
Mehr Informationen zu den Preisträgerinnen und Preisträgern sowie ihren prämierten Arbeiten gibt es in der Broschüre zum Wettbewerb 2021. Vorbestellungen an: megerlin@rkw.de.
Der Wettbewerb des RKW Kompetenzzentrums steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und wurde bereits im Jahr 2002 ins Leben gerufen. Er wird von starken Partnerschaften aus der Bauwirtschaft mitgetragen und gefördert.
Weitere Informationen zum Wettbewerb auf: www.aufitgebaut.de.
Pressekontakt
RKW Kompetenzzentrum
Julia Niles und Sarah Schuppener
Düsseldorfer Straße 40 A
65760 Eschborn
Tel: 06196 495 - 2852; -2853
presse@rkw.de
Über das RKW Kompetenzzentrum
Das RKW Kompetenzzentrum ist ein gemeinnütziger und neutraler Impuls- und Ratgeber für den deutschen Mittelstand. Sein Angebot richtet sich an Menschen, die ihr etabliertes Unternehmen weiterentwickeln, ebenso wie an jene, die mit eigenen Ideen und Tatkraft ein neues Unternehmen aufbauen wollen. Ziel ist es, kleine und mittlere Unternehmen für Zukunftsthemen zu sensibilisieren und sie dabei zu unterstützen, ihre Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft zu entwickeln, zu erhalten und zu steigern, Strukturen und Geschäftsfelder anzupassen und Beschäftigung zu sichern. Zu den Schwerpunkten „Gründung“, „Fachkräftesicherung“ und „Innovation“ bietet das RKW Kompetenzzentrum praxisnahe und branchenübergreifende Lösungen und Handlungsempfehlungen für aktuelle und zukünftige betriebliche Herausforderungen. Bei der Verbreitung der Ergebnisse vor Ort arbeitet das Kompetenzzentrum mit Sitz in Eschborn eng mit den Expertinnen und Experten in den RKW Landesorganisationen zusammen. Das RKW Kompetenzzentrum wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Weitere Informationen: www.rkw-kompetenzzentrum.de
Leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler profitieren im Mathematikunterricht stärker von Lernmaterialien auf Tablets als leistungsstärkere Kinder. Ihnen helfen offenbar ein individueller Schwierigkeitsgrad, unmittelbares Feedback und die Bearbeitung interaktiver Aufgaben mit den Händen. Dies zeigt eine Studie der Technischen Universität München (TUM) in der sechsten Jahrgangsstufe. Das Forschungsteam hat ein digitales Schulbuch zum Bruchrechnen entwickelt, das in drei Sprachen kostenfrei zur Verfügung steht. Die Technische Universität München (TUM) ist mit mehr als 600 Professorinnen und Professoren, 45.000 Studierenden sowie 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine der forschungsstärksten Technischen Universitäten Europas. Ihre Schwerpunkte sind die Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften und Medizin, verknüpft mit den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Die TUM handelt als unternehmerische Universität, die Talente fördert und Mehrwert für die Gesellschaft schafft. Dabei profitiert sie von starken Partnern in Wissenschaft und Wirtschaft. Weltweit ist sie mit dem Campus TUM Asia in Singapur sowie Verbindungsbüros in Brüssel, Mumbai, Peking, San Francisco und São Paulo vertreten. An der TUM haben Nobelpreisträger und Erfinder wie Rudolf Diesel, Carl von Linde und Rudolf Mößbauer geforscht. 2006, 2012 und 2019 wurde sie als Exzellenzuniversität ausgezeichnet. In internationalen Rankings gehört sie regelmäßig zu den besten Universitäten Deutschlands. |
Das Team von Gain4Crops hat eine Lösung gefunden, um die Photorespiration und den C4-Stoffwechsel, zwei der wichtigsten Ansatzpunkte zur Verbesserung der Ernteerträge, miteinander zu verbinden. (Bild: Gain4Crops)
28.05.2021 – Auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft birgt die Verringerung der Photorespiration, einem sehr energieaufwändigen Prozess, enormes Potenzial zur Verbesserung von Nutzpflanzen. Forschende des von der EU geförderten Projekts Gain4Crops haben nun eine Lösung gefunden, um die Photorespiration und den C4-Stoffwechsel, zwei der wichtigsten Ansatzpunkte zur Verbesserung der Ernteerträge, miteinander zu verbinden. Dieser erste Konzeptbeweis öffnet den Weg zu mehr Produktivität und weniger Ressourcenverbrauch im Pflanzenbau, wie sie jetzt in der Fachzeitschrift PNAS berichten.
Die „Photorespiration“ oder auch „Lichtatmung“ ist ein Stoffwechselvorgang bei Pflanzen. Hierbei setzt die Pflanze in einer lichtabhängigen Reaktion gespeicherten Kohlenstoff in Kohlendioxid (CO2) um. In den heutigen Pflanzen wird durch diesen Prozess ein erheblicher Teil der Energie der Photosynthese verbraucht und dabei CO2 freigesetzt. Dieser Prozess beginnt, wenn das Enzym RuBisCO auf Sauerstoff statt auf Kohlendioxid einwirkt und dabei toxische Stoffwechselprodukte (Metaboliten) bildet, die kostspielige Recycling-Reaktionen erfordern: Der Entgiftungsprozess setzt einen Teil des zuvor von der Pflanze fixierten Kohlenstoffes frei und verschwendet dabei Energie, was die landwirtschaftliche Produktivität deutlich einschränkt.
Im Allgemeinen verfolgen Wissenschaftler zwei Ansätze, um die schädlichen Auswirkungen der Photorespiration zu minimieren: sie ahmen die Kohlenstoff-Fixierung der so genannten C4-Pflanzen nach oder führen neue Stoffwechselwege zur Umgehung der Photorespiration ein.
Forschende um Prof. Dr. Andreas Weber vom Institut für Biochemie der Pflanzen der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) und Prof. Dr. Tobias Erb vom Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie haben nun eine Lösung entwickelt, die die Photorespiration und den C4-Pflanzenstoffwechsel synergetisch koppelt und damit zwei der wichtigsten Ziele zur Verbesserung des Pflanzenstoffwechsels miteinander verbindet. Im Rahmen des von der EU geförderten Projekts Gain4Crops (www.gain4crops.eu) setzten sie eine neuartige Umgehungsroute für die Photorespiration ein, den mikrobiellen Beta-Hydroxy-Aspartat (BHAC)-Weg.
Das Team baute Enzyme aus dem BHAC-Weg in die Modellpflanze Arabidopsis thaliana ein, wo sie erfolgreich das toxische Produkt der Photorespiration in einen Startpunkt eines synthetischen C4-Zyklus verwandeln, ohne dabei Kohlenstoff, Stickstoff oder Energie abzugeben. „Unsere Versuche zeigen, dass der natürliche BHAC-Weg aus Bakterien auch in Pflanzen funktioniert, was komplett neue Möglichkeiten eröffnet, den pflanzlichen Stoffwechsel gezielt zu verbessern“, erklärt Tobias Erb.
Gasaustausch-Messungen und Stoffwechselprofile bestätigten, dass die neu entwickelten Pflanzen Stickstoff einsparen und die charakteristischen Stoffwechselprodukte von C4-Pflanzen bilden. Zum jetzigen Zeitpunkt zeigten die Prototyp-Pflanzen keine Zunahme der durch Photosynthese assimilierten CO2-Menge auf Kosten des durch die Photorespiration freigesetzten CO2. Das Team wies jedoch darauf hin, dass noch einige Engpässe das volle Potenzial des BHAC-Wegs verdecken. Diese sollen in den nächsten Forschungsarbeiten angegangen werden.
Um das erhöhte Maß an fixiertem Kohlenstoff und letztlich den Ertragsgewinn voll auszuschöpfen, soll der Stoffwechselweg weiter optimiert werden. Dies unterstützen kinetische und genomweite Stoffwechsel-Modelle. Tests in Modellorganismen wie z. B. Arabidopsis ermöglichen es, Unzulänglichkeiten zu identifizieren, bevor die Erkenntnisse auf Nutzpflanzen übertragen werden, was den Entwicklungsprozess beschleunigt. Daher wird das Gain4Crops-Projekt den neu entdeckten Stoffwechselweg in einer Reihe von Modellorganismen mit zunehmender zellulärer und anatomischer Komplexität testen, bevor es zu seiner endgültigen Zielpflanze übergeht: der Sonnenblume, einer wichtigen Ölsaatpflanze in Europa.
Insgesamt ist diese Studie der erste Konzeptnachweis für die Entwicklung eines neuen kohlenstoffanreichernden Mechanismus in Pflanzen, die auf die Photorespiration angewiesen sind. Sie eröffnet damit neue Chancen für eine verbesserte landwirtschaftliche Produktivität. Darüber hinaus können Nutzpflanzen mit erhöhter photosynthetischer Effizienz dank ihrer höheren Klimaresistenz und ihres geringeren Ressourcenverbrauchs zu wertvollen Werkzeugen im Umgang mit dem Klimawandel werden.
Die moderne Landwirtschaft muss mit einer wachsenden Bevölkerung auf einem Planeten mit knappen Ressourcen und sich schnell verändernden Umweltbedingungen Schritt halten. „Die Verbesserung der Nachhaltigkeit ist wahrscheinlich die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts, und auch wenn es kein Patentrezept gibt, kann die Kombination verschiedener Ansätze eine effektive Verbesserung bringen“, sagt Andreas Weber. Auf der Suche nach einer nachhaltigeren Landwirtschaft kann der sparsame Umgang mit Land durch verbesserte Nutzpflanzen mit reduzierter Photorespiration ein wesentlicher Teil der Lösung sein.
Roell, M.S.; Schada von Borzyskowski, L.; Westhoff, P.; Plett, A.; Paczia, N.; Claus, P.; Schlueter, U.; Erb, T.J.; Weber, A.P.M., A synthetic C4 shuttle via the β-hydroxyaspartate cycle in C3 plants, Proceedings of the National Academy of Sciences (2021)
Redaktion: Dr.rer.nat. Arne Claussen
Stabsstelle Presse und Kommunikation
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
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Tel.: 49 211 81-10896
Fax: 49 211 81-15279
arne.claussen@hhu.de
Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) ist seit 1965 die Universität der Nordrhein-Westfälischen Landeshauptstadt. Die HHU begreift sich als Bürgeruniversität, die ihr Wissen kontinuierlich mit der Gesellschaft im Großraum Düsseldorf teilt. Ihre Verankerung in Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft ist ebenso profilgebend wie ihre Ausrichtung als interdisziplinär agierende deutsche Volluniversität.
An ihrer Medizinischen, Mathematisch-Naturwissenschaftlichen, Philosophischen, Wirtschaftswissenschaftlichen und Juristischen Fakultät studieren rund 37.000 Studierende. Im Fokus der Forschung stehen traditionell die Lebenswissenschaften, ergänzt unter anderem durch Schwerpunkte wie Wettbewerbsforschung, Internet und Demokratie, Algebra und Geometrie sowie Sprache – Wissen – Kognition. 2018 wurde der seit 2012 bestehende HHU-Exzellenzcluster CEPLAS, der die künftige Welternährung durch Nutzpflanzen erforscht, im Rahmen der „Exzellenzstrategie“ von Bund und Ländern bestätigt.
Mehr zur HHU im Internet unter www.hhu.de.
München / Wiesbaden – Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gehören zu den Bundesländern in Deutschland, in denen die meisten Reste von Höhlenlöwen aus dem Eiszeitalter entdeckt wurden. Dagegen hat man bisher im Saarland, in Schleswig-Holstein, in Bremen und in Mecklenburg-Vorpommern keine Höhlenlöwen gefunden. Nachzulesen ist dies in dem Taschenbuch „Löwenfunde in Deutschland, Österreich und der Schweiz“ (GRIN-Verlag, München) des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst.
Aus Bayern kennt man 27 Fundorte von Höhlenlöwen, aus Nordrhein-Westfalen 21, aus Baden-Württemberg 15, aus Sachsen-Anhalt 10, aus Thüringen 8, aus Hessen 7, aus Niedersachsen 5, aus Rheinland-Pfalz 3, aus Brandenburg 3 und aus Sachsen 2. Unter den Großstädten, in denen Fossilien von Höhlenlöwen zum Vorschein kamen, sind Stuttgart, Wiesbaden, Leipzig, Hamburg und Berlin.
Nirgendwo auf der Erde sind mehr Zähne und Knochen von Höhlenlöwen geborgen worden als in der Zoolithenhöhle von Burggaillenreuth bei Muggendorf in der Fränkischen Schweiz (Bayern). Dort fand man Reste von rund 30 Höhlenlöwen. Ebenfalls einen Eintrag ins „Guiness-Buch der Rekorde“ wert ist Bottrop-Welheim, wo die ältesten Löwenspuren der Erde entdeckt wurden. Sie entstanden in der letzten Eiszeit zwischen etwa 35.000 und 42.000 Jahren.
Die frühesten und größten Löwen in Deutschland sind die Mosbacher Löwen aus dem Eiszeitalter vor rund 600.000 Jahren gewesen. Man hat sie nach dem ehemaligen Dorf Mosbach bei Wiesbaden in Hessen benannt, wo man viele Reste von ihnen entdeckte. Diese Mosbacher Löwen erreichten eine Gesamtlänge von maximal 3,60 Metern, womit sie heutige Löwen in Afrika um rund einen halben Meter übertrafen. Aus ihnen sind vor ca. 300.000 Jahren die bis zu 3,20 Meter langen Höhlenlöwen hervorgegangen.
Zeitgenossen der Eiszeitlöwen vor rund 600.000 Jahren waren löwengroße „Säbelzahntiger“, über die Ernst Probst ein weiteres Taschenbuch mit dem Titel „Säbelzahnkatzen. Von Machairodus bis zu Smilodon“ (GRIN-Verlag) veröffentlichte. Außerdem jagten damals in Deutschland Europäische Jaguare, Leoparden und Geparden. Vor rund einer Million Jahre gab es in Deutschland sogar Pumas, die bisher allerdings nur in Thüringen nachgewiesen sind.
Der berühmte Wissenschaftsjournalist und Autor, Ernst Probst, schreibt vor allem populärwissenschaftliche Werke aus den Themenbereichen Paläontologie, Zoologie, Kryptozoologie, Archäologie, Geschichte, Luftfahrt sowie Biografien über berühmte Frauen und Männer.
Köln, 12. Mai 2021. Der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT) am 17. Mai 2021 macht auf Diskriminierungen gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt aufmerksam. Zu diesem Anlass informiert LIEBESLEBEN, eine Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zur Förderung sexueller Gesundheit, zu den Gefahren sogenannter Konversionsbehandlungen. Diese zielen darauf ab, die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität einer Person zu ändern oder zu unterdrücken. Seit dem Jahr 2020 sind Konversionsbehandlungen für Jugendliche in Deutschland gesetzlich verboten.
Prof. Dr. Martin Dietrich, Kommissarischer Direktor der BZgA, betont: „Zum Auftrag der BZgA-Initiative LIEBESLEBEN zählt, im Kontext der sexuellen Gesundheit potenziell von Konversionsbehandlungen Gefährdete zu informieren und zu unterstützen. Zielsetzung dabei ist, Selbstbestimmungsrechte zu stärken, Akzeptanz zu fördern und dazu auch den Freundeskreis, die Familie und Personen im schulischen Umfeld zu erreichen. Deshalb stellt die Initiative LIEBESLEBEN zum Thema Konversionsbehandlungen auf www.liebesleben.de und in den sozialen Netzwerken Informationen und Hinweise auf Beratungsangebote zur Verfügung.“
Schwerwiegende Folgen von Konversionsbehandlungen
Gutachten belegen, dass Konversionsbehandlungen einen erheblichen Eingriff in die Gesundheit der Betroffenen darstellen. Sie haben schädliche Effekte auf die individuelle Psyche und können zu Ängsten, Isolation und Depressionen führen. Die von der Bundesrepublik Deutschland gegründete Bundesstiftung Magnus Hirschfeld geht für Deutschland von mindestens 1.000 Behandlungsversuchen gegen die sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung jährlich aus.
Deutschland kommt Vorreiterrolle zu beim Schutz vor Konversionsbehandlungen
Bereits die grundlegende Annahme einer Behandlungsbedürftigkeit sexueller Orientierungen oder geschlechtlicher Identitäten widerspricht internationalen Standards, etwa denen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Konversionsbehandlungen sind daher in vielen Ländern in der Diskussion und teilweise geächtet oder indirekt verboten. Ein landesweites gesetzliches Verbot, wie es in Deutschland für Jugendliche besteht, gibt es bislang weltweit nur in sehr wenigen Ländern.
Weiterführende Informationen der BZgA zum Thema sexuelle Gesundheit sowie zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt unter:
www.liebesleben.de/vielfalt
https://twitter.com/LIEBESLEBEN_DE
www.facebook.com/liebesleben.de
www.instagram.com/liebesleben_de
Über die BZgA-Initiative LIEBESLEBEN:
LIEBESLEBEN ist eine Initiative zur Förderung sexueller Gesundheit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Mit LIEBESLEBEN informiert die BZgA rund um ein sexuell selbstbestimmtes Leben und bietet niedrigschwellige Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention.
Kontakt:
Pressestelle der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Maarweg 149-161
50825 Köln
pressestelle@bzga.de
https://www.bzga.de
https://twitter.com/bzga_de
Illustration der Syntheseprodukte, welche z.B. mittels eukaryotischer Zellkultur in Proteine eingebaut werden können. Die erhaltenen Methylsensoren sorgen dort für einen starken NMR-Signalanstieg. (Bild: HHU / Dr. Manuel Etzkorn)
14.05.2021 – Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Arbeitsgruppe von Biophysiker Dr. Manuel Etzkorn von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) hat ein Verfahren entwickelt, um wichtige, bislang aber nicht zugängliche, Moleküle über die NMR-Spektroskopie analysieren zu können. Wie hierfür eine einfachere und effiziente Ausstattung der Moleküle mit Methylgruppen als Sensoren gelingen kann, beschreiben sie in der Zeitschrift Angewandte Chemie.
Um das Leben auf molekularer Ebene zu verstehen, müssen die zentralen Bausteine wie zum Beispiel Proteine in einer möglichst natürlichen Form und Umgebung untersucht werden können. Hierzu bietet die Kernmagnetische-Resonanzspektroskopie (kurz NMR für „Nuclear Magnetic Resonance“) einzigartige Möglichkeiten.
Besonders geeignete Sensoren für diese Methode sind sogenannte Methylgruppen innerhalb der Proteine; diese bestehen aus einem Kohlenstoff- und drei Wasserstoffatomen. Um das Signal dieser Sensoren ausreichend zu verstärken, müssen große Teile des restlichen Proteins mittels aufwendiger Verfahren mit Deuteriumatomen angereichert werden. Deuterium ist ein Wasserstoffisotop, in dessen Atomkern sich neben einem Proton noch ein Neutron befindet. Eine solche Anreicherung war jedoch bislang nur mittels spezieller Herstellungsplattformen möglich.
Systeme, welche sich nicht durch diese Plattformen herstellen lassen, konnten daher bisher oft gar nicht oder nur sehr eingeschränkt mit der NMR-Spektroskopie untersucht werden. Insbesondere zählt hierzu eine ganze Reihe von therapeutisch besonders wichtigen Systemen, wie Antikörper oder die Klasse der sogenannten „G-Protein gekoppelten Rezeptoren“, auf welche ein sehr großer Teil moderner Medikamente einwirkt.
Ein Forschungsteam der HHU um Dr. Manuel Etzkorn vom Institut für Physikalische Biologie und vom Biomolekularen NMR-Zentrum (welches gemeinsam von der HHU und dem Forschungszentrum Jülich betrieben wird) hat zusammen mit Kollegen der Universität Sofia, der Harvard Medical School und dem Dana Faber Cancer Institut in Boston nun eine neue Methode entwickelt, mit der die benötigten Eigenschaften der Sensoren in allen gängigen Herstellungsplattformen eingebaut werden können. Das Syntheseverfahren ist erheblich einfacher und über 20-fach kostengünstiger als bisherige Ansätze, um Methylgruppen-Sensoren einzubauen, und es gelingt auch in bislang unzugänglichen Systemen.
Die international renommierte Fachzeitschrift Angewandte Chemie hat die in der aktuellen Ausgabe vorgestellte Forschungsarbeit zur Titelgeschichte gemacht. Dies unterstreicht deren besondere Bedeutung für die Verbesserung biophysikalischer Grundlagenforschung sowie die daraus resultierende Entwicklung neuartiger Medikamente.
Dr. Etzkorn betont: „Die neue Methode wird es uns und anderen ermöglichen die Bausteine des Lebens in bislang ungeahnter Detailtiefe und in möglichst natürlichen Zuständen zu untersuchen.“
A. Dubey, N. Stoyanov, T. Viennet, S. Chhabra, S. Elter. J. Borggräfe, A. Viegas, R. Nowak, N. Burdzhiev, O. Petrov, E. Fischer, M. Etzkorn, V. Gelev, H. Arthanari, Local deuteration enables NMR observation of methyl groups in proteins from eukaryotic and cell-free expression systems, Angew. Chem. Int. Ed. (2021)
Dr.rer.nat. Arne Claussen
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40225 Düsseldorf
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Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) ist seit 1965 die Universität der Nordrhein-Westfälischen Landeshauptstadt. Die HHU begreift sich als Bürgeruniversität, die ihr Wissen kontinuierlich mit der Gesellschaft im Großraum Düsseldorf teilt. Ihre Verankerung in Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft ist ebenso profilgebend wie ihre Ausrichtung als interdisziplinär agierende deutsche Volluniversität.
An ihrer Medizinischen, Mathematisch-Naturwissenschaftlichen, Philosophischen, Wirtschaftswissenschaftlichen und Juristischen Fakultät studieren rund 37.000 Studierende. Im Fokus der Forschung stehen traditionell die Lebenswissenschaften, ergänzt unter anderem durch Schwerpunkte wie Wettbewerbsforschung, Internet und Demokratie, Algebra und Geometrie sowie Sprache – Wissen – Kognition. 2018 wurde der seit 2012 bestehende HHU-Exzellenzcluster CEPLAS, der die künftige Welternährung durch Nutzpflanzen erforscht, im Rahmen der „Exzellenzstrategie“ von Bund und Ländern bestätigt.
Mehr zur HHU im Internet unter www.hhu.de.
Es gelingt, einen supramolekularen Käfig zu konstruieren und mit Wirkstoffen zu beladen. In wässriger Lösung öffnen Ultraschallwellen den Käfig und geben den Wirkstoff frei. (Grafik: HHU / Robin Küng)
05.05.2021 – Wie transportiert man einen hochwirksamen Wirkstoff genau an den Ort, wo er im Körper wirken soll? Chemiker der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) stellen zusammen mit Aachener Kollegen in der Zeitschrift Angewandte Chemie einen Lösungsansatz mit einem Molekülkäfig vor, der sich bei Ultraschallbestrahlung öffnet.
In der supramolekularen Chemie werden Moleküle zu größeren, übergeordneten Strukturen zusammengesetzt. Bei geeigneter Wahl der Teilkomponenten setzen sich solche Systeme selbst aus ihren einzelnen Bausteinen zusammen, man spricht dann von Selbstassemblierung.
Bestimmte supramolekulare Verbindungen eignen sich gut als sogenannte Wirt-Gast-Systeme. In solchen Fällen umgibt eine Wirtsstruktur ein Gastmolekül, kann es von der Umgebung abschirmen, schützen und transportieren. Dies ist ein Spezialgebiet von Dr. Bernd M. Schmidt und seiner Arbeitsgruppe am Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie der HHU.
Die Düsseldorfer Chemiker suchten zusammen mit Kollegen vom DWI – Leibniz-Institut für Interaktive Materialien nach einem System, das Wirkstoffmoleküle später vielleicht sogar durch den menschlichen Körper transportieren und vor allem die Fracht an einer gewünschten Stelle freigeben kann.
Die Lösungen können diskrete „Pd6(TPT)4-Käfige“ sein: Oktaeder-förmige Strukturen aus vier dreieckigen Paneelen, an deren sechs Ecken jeweils ein großes organisches Molekül sitzt, genauer gesagt ein Palladiumatom, über welches eine lange Polymerkette gebunden ist. Diese Palladiumatome bilden sogenannte koordinative Metallbindungen zu den Paneelen aus, deren Ecken sie anstoßen.
Gibt man die einzelnen Bausteine in richtigem Verhältnis in eine wässrige Lösung, so entstehen die Käfige von selbst. Und fügt man anschließend kleinere, hydrophobe Moleküle hinzu, so wandern diese in genau bekannter Zahl in die Käfige hinein. Die Forscher haben dies mit den Wirkstoffmolekülen Ibuprofen und Progesteron gezeigt.
„Der besondere Clou bei unserem System sind die eingebauten Sollbruchstellen“, so Dr. Schmidt, Letztautor der Studie. „Die Palladiumatome verbinden alle Bausteine vergleichsweise schwach. Wenn man es schafft, diese aus dem Verbund zu zerren, bricht das ganze Oktaeder auseinander.“
Gezerrt wird in diesem Fall in Aachen mit leistungsstarken Ultraschallquellen, wie Mediziner sie beispielsweise zur Zertrümmerung von Nierensteinen benutzen. Der Ultraschall erzeugt im Wasser Kavitationsblasen, die zerplatzen und dadurch sehr große mechanische Scherkräfte auf die langen Ketten ausüben. Die Kräfte sind so stark, dass tatsächlich die Palladiumatome aus den Ecken reißen und somit den Oktaederkäfig zerlegen. Die kleinen Wirkstoffmoleküle werden dabei zwar herumgewirbelt, aber nicht beschädigt
Dr. Robert Göstl vom DWI: „Durch lokale Ultraschallbestrahlung des zu behandelnden Gewebes könnte man später erreichen, dass der im Käfig transportierte Wirkstoff genau dort freigesetzt wird, wo er zur Therapie benötigt wird.“ Dabei dienen die in der Studie eingesetzten Wirkstoffmoleküle nur als Test, grundsätzlich können sehr viele verschiedene, hydrophobe Molekül in den Käfig gepackt werden. Und es ist – im Gegensatz zu anderen beschriebenen Wirt-Gast-Systemen – nicht notwendig, die Wirkstoffmoleküle chemisch anzupassen, damit sie in den Käfig gelangen. „Für die Tumorbehandlung wäre zum Beispiel eine Beladung mit Zytostatika denkbar. Indem sie direkt bei einem soliden Tumor freigesetzt werden, könnte vielleicht eine Chemotherapie mit deutlich weniger Wirkstoff und damit mit geringeren Nebenwirkungen durchgeführt werden“, wünscht sich Schmidt.
Dazu trägt noch bei, dass aufgrund der definierten Beladungsmenge auch genau bemessen werden kann, wie viel Wirkstoff am Einsatzort freigesetzt wird. „Die verabreichte Dosis könnte sogar präzise berechnet werden.“
Bei der Studie handelt es sich um ein „Proof of Concept“: Die Machbarkeit des Ansatzes wurde gezeigt. Dies überzeugte auch die Gutachter und Verleger der Zeitschrift „Angewandte Chemie“, die die Veröffentlichung als besonders bedeutsam ansahen, es als „Hot Paper“ einstuften und zur Titelgeschichte der nächsten Zeitschriftenausgabe machen.
„In nächsten Schritten wollen wir überprüfen, wie reale Zellen auf unsere Käfige reagieren. Vor einem möglichen medizinischen Einsatz muss sichergestellt werden, dass sie nicht toxisch sind.“
Studienleiter Dr. Bernd Schmidt (links) mit seinen Mitarbeitern Robin Küng (Mitte) und Tobias Pausch (rechts). (Foto: HHU / Tom Kunde)
Robin Küng, Tobias Pausch, Dustin Rasch, Robert Göstl und Bernd M. Schmidt, Mechanochemical Release of Non-Covalently Bound Guests from a Polymer-Decorated Supramolecular Cage, Angew. Chem. Int. Ed. (2021)
Grafische Darstellung des Oktaeder-förmigen Käfigs, der durch Palladiumatome an den Ecken, die wiederum an lange organische Polymerketten verknüpft sind, zusammengehalten wird. Der Käfig birgt Wirkstoffmoleküle (orange Kugel). Im mittleren und linken Bild bewirken Ultraschallwellen Scherkräfte auf die Polymerketten, wodurch schließlich der Käfig zerbricht und das Wirkstoffmolekül entlässt. (Grafik: HHU / Robin Küng)
Dr.rer.nat. Arne Claussen
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