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Montag, 8. Februar 2021

Bundeszentrale für politische Bildung: Neues aus der Werkstatt

Werkstatt
Der aktuelle Newsletter aus der Bundeszentrale für politische Bildung 2020: 

Neues aus der Werkstatt

Liebe Leserinnen und Leser,

wir hoffen, sie hatten einen angenehmen Start in das neue Jahr 2021. Ein Jahr, das hoffentlich ein bisschen Normalität zurück in die Bildungswelt bringt.

Momentan ist davon noch nicht besonders viel zu spüren, denn die Schulschließungen stellen Lehrerinnen und Lehrer vor große Herausforderungen. Wie verändert diese neue Art des Lernens eigentlich bisherige Unterrichtsmethoden? Und welche Erfahrungswerte aus der letzten Schulschließung kommen jetzt zum Einsatz? Das haben wir die gefragt, die es am besten wissen: Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Deutschland.

Auch in unserem brandneuen Videoformat "Bildungshacks" sprechen wir ab sofort monatlich mit Profis. In der ersten Ausgabe befragt unser Host Filli Montag Bildungsexpertin Nele Hirsch und Medienpädagogin Kristin Narr zu ihren Tipps für den digitalen Unterricht auf Distanz.

Langfristig wünschen sich viele Lehrkräfte – auch unabhängig von Corona – die Durchsetzung von hybriden Modellen im Unterricht, denn diese können eine inklusivere Lernlandschaft ermöglichen. Dafür braucht es gar nicht viel, wie wir in unserem Artikel erläutern.

Auch das außerschulische Lernen muss gerade neue Wege der Vernetzung und des Austauschs finden. Ein Konzept, das sich als voller Erfolg herausgestellt hat, ist das Format „Auf einen Kaffee mit…“. Initiiert von Ole Jantschek und Annika Gramoll werden in diesem Talk-Format Erfahrungen ausgetauscht und so daran gearbeitet, digitale politische Bildung nachhaltig weiterzuentwickeln. Wir haben mit Ole Jantschek darüber gesprochen.

Zu guter Letzt haben wir noch einen bpb-internen Tipp: Auf HanisauLand.de, der Kinderseite der bpb, gibt es für Kinder im Alter zwischen 8 und 14 Jahren einfache und verständliche Zugänge zum Thema Politik – und viele Materialien für Lehrende. Die Redakteurin Christiane Toyka-Seid berichtet als Gastautorin über das Projekt.

Wir wünschen Ihnen einen schönen Februar und viel Kraft für die kommende Zeit.

Bleiben Sie gesund!

Ihre Werkstatt-Redaktion
Abgebildet ist ein Schreibtisch auf dem verschiedene Stifte, ein Smartphone und Zettel verteilt sind. Man blickt von oben auf einen Computerbildschirm, davor liegen die Hände einer Person, die gerade etwas auf einem Zettel mit einem Textmarker markiert.

Wie Fernunterricht die Unterrichtsmethoden verändert

Seit Mitte Dezember sind die Schulen zum zweiten Mal wegen der Pandemie geschlossen. Es heißt nun: zurück zum Fernunterricht, zurück zum rein digitalen Unterricht. Wir wollten von Lehrenden aus ganz Deutschland wissen: Welche Erfahrungswerte aus der letzten Schulschließung kommen jetzt zum Einsatz?
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Ein Smartphone und ein geöffneter Laptop liegen auf einem blauen Tisch. Auf dem Laptop ist ein Programm für online-Meetings geöffnet. Im Hintergrund steht ein Whiteboard.

Hybrides Lernen – aber wie?

Nach 2020 können Lehrerinnen und Lehrer die Begriffe "digital" und "hybrid" vermutlich kaum noch hören. Vor allem, da so manche Tipps an Schulrealitäten vorbeigehen. Doch hybride Unterrichtsmodelle schaffen eine inklusivere Lernlandschaft – und es braucht oft gar nicht viel, sie umzusetzen.
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Eine blonde Frau steht vor einem Regal, von dem Pflanzen herunterhängen und auf dem Lernuntensilien platziert sind. Im Hintergrund hängen bunte Glühbirnen.

Bildungshacks: Tipps für den digitalen Distanzunterricht

Wie übertrage ich den Unterricht oder den Workshop ins Digitale? Welche Methoden gibt es, um Gruppenarbeit auch beim Distanzunterricht interaktiv zu gestalten? Bildungsexpertin Nele Hirsch und Medienpädagogin Kristin Narr geben Tipps für den digitalen Unterricht auf Distanz.
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Ein Mikrofon steht auf einem Tisch, an dem zwei Personen sitzen. Nur die Hände der Personen sind sichtbar. Im Hintergrund steht ein Laptop und ein Strauß Tulpen in einer Vase.

Für eine politische Bildung, die Digitalisierung integriert

Die Corona-Pandemie stellt auch die außerschulische Bildung vor neue Herausforderungen. Wie politische Bildung digital funktionieren kann, zeigt die Evangelische Trägergruppe mit ihrem neuen Format "Auf einen Kaffee mit…“.
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Vor einem grünen Hintergrund sind zahlreiche gezeichnete Figuren erkennbar. Links im Bild ist ein nicht genauer definierbares Tier in einer Art Heißluftballon zu sehen, der mit dem Wort "Daten" beschriftet ist. Statt einem Ballon wird der Heißluftballon von einer CD-Rom getragen. In der rechten Bildhälfte wimmeln sich viele andere Tiere und fiktive Figuren. Zahlreiche Symbole, die mit Computern zusammenhängen, formen sich zu einer Art Weltkugel, auf der sich diese Tiere bewegen.

HanisauLand.de – die Kinderseite der bpb

Spielerisch Lernen: HanisauLand ist eine interaktive Internetseite der bpb, die Lust auf Politik macht und Kinder an politische Themen heranführt. Für Lehrende bietet die Seite vielfältiges Material für den Einsatz im Unterricht.

💗 Heiterkeit statt Geiz? Oder: Von was „Heilige“ träumen …




An meine liebe Familie, an meine lieben 

Freundinnen und Freunde! 

Ihr 💗Lieben,

kürzlich fiel mir das 💗 GÄSTEBUCH meiner Eltern in die Hände. Ich kannte es von früher. Als ich ein Kind war. Ich kannte es. Ich schaute es mir erneut an und war erstaunt, wie fröhlich, bunt und lebendig es ist. Menschen aus aller Welt haben sich darin verewigt:

 

Die US-Amerikaner, die so fröhlich gefeiert haben, das französische Ehepaar, das sowohl an der Côte d’Azur wie in Köln lebt mit ihrem Collie – wie hieß er noch?, Mrs. Mc Innes aus New Zealand, die vortrefflich zu Karneval als QUEEN VICTORIA gekleidet kam, die reizenden Menschen aus Asien, die so geschrieben haben, die ich es nicht einmal ansatzweise lesen kann. Sie haben dafür so wunderschön gezeichnet. Lebendig! Echt!

 

Die Lateiner mit ihrem Weltgeist. Und ganz einfach und schlicht: Der beliebte Volksschauspieler mit Familie und seinen Theater-Leuten, die sich ausgesprochen wohl fühlten. Die Sängerin, die dafür bekannt war, dass sie keine Schokolade mag. Der Volksschauspieler aus Bayern – war stets Stammgast, wenn er in Köln Auftritte hatte. Viele Stars mit Autogramm. Und die „berühmten“ Rechtsanwälte, die aus dem politischen Brüssel eingeflogen kamen. Es hieß, dass sie immer mit einem Heli reisten – aber: Wo war denn hier ein Landeplatz? Ach ja: Und nicht zu vergessen: der Fußballweltmeister mit seinen Sportsfreunden.

 

Heute denke ich etwas anders über dieses Gästebuch nach, das stets so prall, bunt und leuchtend für mich erschien.

 

Und auch alle Fotos - außerhalb des Buches - wurden liebevoll von der Großmutter aufgehoben:



Gästinnen: 
Else Halbach mit Freundin


Heute denke ich: Wenn meine Eltern so viele spannende Menschen angezogen haben – muss auch in ihnen ein Kern gewesen sein, der diese „Anziehung“ ausgelöst hat. Gewiss, das Essen war stets köstlich bei uns: Wir hatten einen Koch aus dem berühmten Kölner Excelsior Hotel Ernst, einen Starkoch aus Zagreb und einen genialen Koch - Carsten -  aus der Schweiz, der dort die beste Hotelfachschule absolviert hatte – er war so „edel“, dass er zum Bewerbungsgespräch bei meinen Eltern im Frack erschien. Im Frack von YSL.



Carsten in seinem Restaurant, das er 
eröffnet hat, nachdem die Eltern in 
den Ruhestand gegangen sind.


 

Gewiss, auch das Ambiente war stilvoll, stets liebevoll gepflegt und es signalisierte sanft und leise: „Egal wer du bist – du bist herzlich willkommen.“

 

Ich sehe noch heute, wie meine 🌷🌼🌻 Großmutter 🌷🌼🌻 die vielen Blumen und Pflanzen mit Wissen und Liebe hingebungsvoll selbst und hochpersönlich pflegte. 

 

Ich weiß noch, wie stolz wir waren, nicht irgendeinen gelernten Kellner, sondern einen ausgezeichneten „Serviermeister“ als Mitarbeiter zu haben. Und unser ORIGINAL, Poldi aus Wien, Sohn eines Hoteliers, der die Welt sehen wollte und dann bei uns hängen geblieben ist. Alle liebten ihn.

 

Aber: War es das schon? Waren dass die Geschäftsgeheimnisse? Ich sehe noch wie heute: Dass mein Vater an manchen besonderen Tagen bereits gegen 12:00 die Tür zum Lokal schließen musste, weil alle Tische und auch die Bar-Theke so besetzt waren, das keine weiteren Gäste mehr aufgenommen werden konnte. Dabei hatten wir erst ab 11:00 geöffnet.

 

Waren dass die Geschäftsgeheimnisse? Oder steckte noch etwas anderes hinter diesem Erfolg?

 

Ich analysierte die Texte im Gästebuch und dann wurde mir bewusst: Es war die Heiterkeit, Freigiebigkeit und Leichtigkeit meiner Eltern, die diese Menschen alle angezogen hat. Ich kannte und kenne keine Menschen, die ähnlich hilfsbereit, großherzig und großzügig sind. Vater und Mutter. Auf ihre Weise strahlten beide immer. Sie strahlten Herzlichkeit, Liebe und gute Laune aus.

Meine Eltern erinnerten mich heute an die Zeit des legendären „Karlchen“ Rosenzweig im Presseclub in Bonn, in der Nähe der Bundespressekonferenz und all den Redaktionen der bekannten Medien – Fernsehen, Radio, Printmedien. Hier trafen sich die Politiker:innen, die Journalist:innen und Medienleute aus aller Welt.

Wer Glück hatte, wurde von dem gastlichen Wirt gezeichnet und bekam das Bild mit Autogramm als Geschenk. Als Karlchen auch mich einmal mit einem solchen Gemälde bedacht hatte, konnte ich mein Glück kaum fassen. Er hat ein Herz aus Gold – dachte ich zu jener Zeit. Heute denke ich: Karlchen hatte sein Herz am rechten Fleck. Wie meine Eltern.

Ich musste jetzt an Aristoteles denken, der die „Freigiebigkeit“ pries als die rechte Mitte zwischen den Extremen „Verschwendung und Geiz“. Letzterer (Geiz) mache einsam, Freigiebigkeit hingegen heiter und glücklich.

 

Heiter und glücklich?

 

Welch viel versprechende Inspiration!

 

Und ich denke an die vielen einsamen Menschen. Auch an die Menschen, die in einer Familie leben – aber einen so einsamen Eindruck auf mich machen – als wären sie in Wirklichkeit nicht familiär eingebunden, sondern einsam, allein und manchmal sehr traurig. Sind diese Menschen einsam, weil sie irgendwie etwas mit Geiz zu tun haben?

 

Ich würde diese Menschen nicht als geizig bezeichnen. Nicht als geizig im bekannten Sinne. Es kommt mir eher vor, als „verstecke“ sich „etwas“ in diesem Wort, dass wir zumeist abfällig Geiz nennen.

 

Was ist „es“?

 

Und warum glauben wir: Geizig? Das sind nur die anderen!

Ich – geizig? Never!

 

Haben wir starke Nerven, gehen wir tolerant mit der kleinen „Spur“ katholische Kirche  um - und gehen wir systematisch vor:

 

Was ist Geiz? Und was hat das mit mir zu tun? Oder wie Alfred Adler, der Kollege von Freud, sagen würde: „Züge des Geizes wird auch der heutige Kulturmensch wenigstens spurenweise aufweisen.“(1)

 

Was ist Geiz? Und was hat das mit mir zu tun?

 

Die erste Antwort, die mir dazu einfällt:

 

Geiz ist eine der 7 Todsünden.

 

Für die KATHOLISCHE KIRCHE.

 

„Katechismus der Katholischen Kirche:

IV Die Schwere der Sünde - Todsünde und läßliche Sünde

1854 Die Sünden sind nach ihrer Schwere zu beurteilen. Die schon in der Schrift erkennbare [Vgl. 1 Joh 6,16-17] Unterscheidung zwischen Todsünde und läßlicher Sünde wurde von der Überlieferung der Kirche übernommen. Die Erfahrung der Menschen bestätigt sie.

1855 Die Todsünde zerstört die Liebe im Herzen des Menschen durch einen schweren Verstoß gegen das Gesetz Gottes. In ihr wendet sich der Mensch von Gott, seinem letzten Ziel und seiner Seligkeit, ab und zieht ihm ein minderes Gut vor.“

 

http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_P6I.HTM




Für manche Menschen, etwa für die evangelischen – ich hoffe, dass ich hier immer noch richtig liege – und natürlich für die Menschen, die nicht an unseren Gott glauben oder denken, dass es keinen Gott gibt – ist das weniger bis gar kein Thema.

 

Es gibt jedoch so etwas wie ein gesamtgesellschaftliches Bewusstsein. Egal, ob wir zum Zeitpunkt des Entstehens schon gelebt haben – oder erst später zu Welt gekommen sind.

 

Da wir in einer vor allem christlichen Bundesrepublik leben und Bundesländer wie Saarland (2018: 56,8 Prozent), Bayern (2018: 48,8 Prozent), Rheinland-Pfalz (2018: 40,3 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (2018: 37,7 Prozent) einen hohen Anteil an katholischer Bevölkerung haben – hat das, was wir als Todsünden kennen, Eingang gefunden in das gesamtgesellschaftliche Gedächtnis des Landes – ähnlich wie dieses Geschehen 1954: "Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt... Tor, Tor, Tor!"

 

Selbst, wer es nicht weiß, spürt es – bewusst und oder unbewusst.

 

Die meisten Menschen lehnen es ab, im Sinne der „Todsünde Geiz“, schuldig zu sein. Auch, weil viele Menschen gar nicht wissen, was genau damit gemeint ist. Und warum es sie/uns betreffen soll.

 

Wir kennen sie alle, die berühmten Geizigen:

*⁀➷Pantalone – aus der italienischen Commedia dell’arte

*⁀➷Ebenezer Scrooge – Figur bei Charles Dickens

*⁀➷Shylock – jüdischer Venezianer bei William Shakespeare

*⁀➷Harpagon in Molières „Der Geizige“

*⁀➷Dagobert Duck – Disneyfigur von Carl Barks

Damit haben wir doch wirklich nichts zu tun!

Oder doch?

 

Wir sind sparsam. Und das ist auch in Ordnung. Wir sind realistisch. Und das ist gut so. Wir treffen Vorsorge – und auch das ist doch eher gesund – als sündig.

 

Schauen wir uns an, was Dr. Doris Wolf, Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin, dazu zu sagen weiß:

 

„Die Beschreibung eines Menschen als geizig ist eine Bewertung. Dahinter steht ein ganz persönlicher Maßstab, was wir als geizig, was als großzügig oder als normal ansehen. Die Beschreibung geizig kann sich nicht nur auf Geld sondern auch auf Zärtlichkeit, Liebe, Lob, "geizen mit Reizen" und ähnliches erstrecken.“

 

https://www.psychotipps.com/geiz%20aria%20haspopup.html

 

Warum halten Menschen Geld, Zärtlichkeit, Liebe, Lob, Anerkennung zurück?

 

Es gibt dazu eine Freudsche Theorie, der ich hier jedoch nicht folgen kann. Ich halte sie für obsolet, veraltet. Obschon ich 5 Jahre bei dem Freudianer Prof. Dr. med. H. Psychologie studiert habe – oder vielleicht gerade deswegen. Freud ist mir hier nicht mehr zeitgemäß. Siehe zu Geiz auch: Alfred Adler.(1)

 

Warum halten Menschen Geld, Zärtlichkeit, Liebe, Lob, Anerkennung zurück?

 

Zunächst: Geiz ist nicht (oder: eher nicht) angeboren, sondern Geiz haben wir gelernt – erlernt. Nicht zwangsläufig in „der“ Familie, sondern durch individuelle Erlebnisse.

 

Und was wir einmal gelernt haben, können wir auch wieder ver-lernen oder um-deuten.

 

Jeder Mensch, der einer Sportart nachgeht, erinnert sich daran, dass, wenn er lange nicht geübt, gesportelt, trainiert hat – seine Kunst in diesem Bereich nachlässt.

 

Da wir jedoch täglich GEIZ üben, zeigen wir anderen Menschen unsere Zurückhaltung, indem wir Geld und/oder Zärtlichkeit und/oder Liebe … mehr oder weniger sparsam anwenden. Oder es auch gleich ganz lassen mit dem Lob und der Anerkennung. Mal ehrlich: Wann haben wir zuletzt ein wirklich herzliches Lob von uns gegeben – eine Anerkennung, die über „Ja, nett.“ hinaus ging? 


(Ihr alle, meine Lieben, seid da die wunderbar löbliche Ausnahme! Und das ist köstlich. Ihr seid die 💗 Weltmeister:innen 💗 in "liebevolle wie kluge Mails" schreiben. Und deshalb könnt ihr eure Freundinnen, Freunde, eure Familien jetzt besser verstehen – und vielleicht auch dem einen oder anderen einen Tipp geben – wenn er/sie euch um Rat fragt.)

 

Für die anderen gilt: Mit unseren schon sprichwörtlichen Zurückhaltung gewinnen wir keinen Blumentopf bei den Menschen und schon gar nicht gewinnen wir genau die neuen Menschen, die wir gerne an unserer Seite haben wollen. Ich denke hier an  Menschen, die gerade nicht mit Mrs. oder Mr. Right zusammen sind – obwohl genau dieser Mensch sehnsüchtig erwartet wird.

 

Wer nur bei Liebe, Anerkennung und Lob ein Sparfuchs ist – käme nie auf den Gedanken, dass das Geiz sein könnte. Vielleicht eher: Wir Norddeutschen sind halt so – oder auch: Wir Münsteraner sind lieber zurückhaltend – so auffallend fröhlich wie sich die Rheinländer gerne geben – nö, das ist nicht unsere Art.

 

Schauen wir noch einmal, welche Gedanken Doris Wolf für uns hat:

 

„Warum sind Menschen geizig?

 

Sie spricht von charakteristischen Einstellungen. Von Haltungen, die geprägt sind von „zu wenig von … haben“, von möglicher künftiger Not, von Gedanken, die sich um die Zukunft drehen – und das Geld hier Sicherheit bieten kann. Oder auch davon, dass Menschen das, was sie einst erlebt haben wie Krieg, Hunger, Armut nicht mehr erleben wollen.

 

https://www.psychotipps.com/geiz%20aria%20haspopup.html

  

Ähnlich sieht das auch Dr. Rolf Merkle, Diplom-Psychologe und Psychotherapeut. Er antwortet auf die Frage:

 

„Was sind die Motive für Geiz?“

 

mit „Genussfeindlichkeit“, „Selbstablehnung“, „Kontrolle von anderen“ u.a.m.

 

https://www.palverlag.de/lebenshilfe-abc/geiz.html

  

💗 Ich möchte dazu ein Beispiel aus meinem Leben erzählen:

 

Während meiner Ausbildung zum Coach, lernte ich auch eine sehr sympathische Coach-Anwärterin kennen. Wir machten unsere Hausaufgaben oft zusammen, übten und fragten uns die Texte ab.

 

Eines Tages sagte sie: „Ich muss dir was Schlimmes erzählen – ich habe einen Tumor (Krebs).“ Schock. Sie wirkte so fröhlich. „Alles nur gespielt – sagte sie.“ Sie bat mich um Hilfe – wollte, dass ich „psychologisch“ mit ihr arbeite – weil zu diesem Zeitpunkt eine Genesung noch möglich gewesen wäre.

 

Ich wusste, dass ich dafür nicht ausgebildet war und empfahl ihr deshalb eine von unseren Dozentinnen, eine Therapeutin. Aber sie weigerte sich – meinte: „Das ist mir zu teuer. Das zahlt nicht die Kasse – das muss ich selbst zahlen.“


Wir sprachen dann darüber, ob sie Geld dafür habe oder ob sie sich in der Familie Geld leihen kann. „Nein, nein,“ sagte sie: „ich habe Geld – aber das will ich nur einsetzen, wenn ich es mal dringend brauche.“

 

„Wie bitte? Du sagtest, dass deine Ärzte meinen, das du in Lebensgefahr bist – und dir eine Therapie gut tun würde – und du willst das Geld nicht für dich einsetzen?“

 

„Nö“.




Bald darauf verschlechterte sich ihr Zustand – sie kam nur noch selten und wir konnten auch nicht mehr gemeinsam arbeiten. Ich bemühte mich dann noch einmal um ein ernsthaftes Gespräch – wenn nicht diese eine Therapeutin, die ich für nahezu unübertrefflich hielt und bei der ich überwiegend meine Ausbildung gemacht habe – dann doch irgend eine andere – oder irgend einen anderen Therapeuten.

 

Vergeblich.

 

Bald darauf lag sie in einem Hospiz.

 

Es hieß, sie sei nun „wach geworden“, denke über eine Therapie nach: „Man könne ja mal darüber reden.“ Doch bevor es dazu kam … war sie bereits gestorben. Sie war noch so jung.

 

Eine Kommilitonin sagte es mir: „A.B.C. ist gestern an Krebs gestorben.“ Ich war traurig. Ich war sehr traurig. Und ich spüre noch heute, wie sich nach einer Weile eine innere Stimme in mir rührte: „An Krebs gestorben. Oder an Selbst-Geiz?“

 

Es ist oft erstaunlich, wie schnell ein Ende kommt – wenn man/frau zuvor noch gedacht hat, alle Zeit der Welt zu haben. Und gerade für das „Ende“ noch viel zu jung zu sein.

 

Wie ein Mensch angesichts des Todes sein Geld noch zurück halten will – „für Fälle, wo ich das dann wirklich mal brauche …“ überstieg mein geistiges Fassungsvermögen.

 

Inzwischen habe ich leider lernen müssen, dass sie da nicht die Ausnahme war.

 

Ich muss jetzt an Anton Bucher denken, Professor für Religionspädagogik an der Universität Salzburg.

 

https://www.uni-salzburg.at/index.php?id=28756

 

Bucher hat 2012 ein Buch zum Thema Geiz und Todsünden veröffentlicht:

 

Geiz, Trägheit, Neid & Co. in Therapie und Seelsorge

Psychologie der 7 Todsünden

 

Die 7 Todsünden: Geiz, Trägheit, Hochmut,

Neid, Zorn, Wollust, Völlerei. Eine Sammlung

hoch aufgeladener Themen, die schon ewig in

der Bibel stehen, aber dadurch nicht an ihrer

Aktualität verloren haben. Warum? Sie

sprechen jeden Menschen an – und sie sind

selbst im professionellen Setting von

Psychotherapie und Seelsorge höchst relevant. 

 

https://www.uni-salzburg.at/fileadmin/oracle_file_imports/1625171.PDF

 


Während ich davon lese, muss ich daran denken, wie wenige Menschen erkennen wollen, dass ihre sogenannte „vornehme Zurückhaltung“ – im Grunde genommen gar nicht so vornehm ist – im Gegenteil:

Zum Beispiel: Philip Stanhope Earl of Chesterfield hat in seinen Briefen über „Die anstrengende Kunst, ein Gentleman zu werden." geschrieben. Er resümierte:

"Wenn im Herzen keine Bosheit ist, so sind immer Heiterkeit und Leichtigkeit in Miene und Manieren."

Ich habe den Selbst-Geiz als „Bosheit gegen sich selbst“ bei den Menschen erlebt.

Und dabei musste ich feststellen, dass die Menschen zwar meinem Gedankengang gefolgt sind – aber nichts oder nur sehr wenig taten, um letztlich das zu erreichen, was für sie erstrebenswert ist. 

Ich erlebe immer wieder Menschen als "Eigentor" schießende Wesen.

 

Es wird nichts oder so wenig getan, weil die Menschen nicht erkennen können – wollen – dass auch sie betroffen sind. Sie sind damit aufgewachsen – sie kennen es nicht anders – sie denken: so ist es und so wird es immer bleiben.

 

Damit „etwas“ geschehen kann, müssen Problemeinsicht und Leidensdruck notwendig sein. Das Leid ist da – der Druck auch. Jedoch werden Leiden und Druck anders gedeutet. 

Diese Menschen interpretieren dann ihre Schmerzen und ihr Leid mit Bewegungsarmut. Oder: Ich hab mich angesteckt. Oder: Das hatten alle in der Familie. Oder auch: Die anderen sind Schuld. Oder: Ich weiß, dass ich daran sterben werde. Mein Vater ist auch schon daran gestorben. Der Großvater ebenfalls.

Selbst bei den wirklich gesunden und jungen Menschen scheint es in den letzten Jahren nur schwer möglich zu sein, vom Denken ins Handeln zu kommen.

Grundsätzlich fällt mir auf, wenn sich eine Krankheit abzeichnet, dass es dann leichter ist zu sagen: „Ich habe da eine Krankheit.“ Weil mit einer Krankheit kann man dann zur Ärztin oder zum Arzt gehen. Der oder die verschreibt dann „etwas“ – und gut ist.

Bei einer Krankheit fühlen sich die Menschen weniger verantwortlich – empfinden eher selten, dass sie eine Selbstverantwortung haben. Krankheiten passieren eben. „Wir“ müssen dann nicht die Verantwortung für die Krankheit übernehmen. Mehr noch: Der primäre und sekundäre Krankheitsgewinn kann eine Rolle spielen – ebenso wie der tertiäre und quartäre Krankheitsgewinn.

https://books.google.de/books?id=Q_gmBAAAQBAJ&pg=PA414#v=onepage&q&f=false

Dass Krankheiten seelische Ursachen haben – lehnen immer noch viele Menschen ab.

Für alle von euch, die sich jedoch für die Wechselwirkung Körper – Seele interessieren, gibt es hier vom Institut für Gesundheit und Persönlichkeitsbildung in Starnberg, von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. sowie von der Limes Schlossklinik wissenswerte Einsichten. (2)

Wenn ein Leid, ein Schmerz, seelischen Ursprung hat – dann wissen wir: Ich muss mich jetzt meiner Angst stellen. Dann fühlen wir uns oft hilflos, orientierungslos und überfordert. Stress. Dann doch lieber zurück zur medizinischen Variante. Da fühlen wir uns zwar auch nicht sicher – aber: Wir kennen Medizinmänner und Medizinfrauen. Und die werden schon wissen, was sie tun.

Erfahrung aus der Coaching-Praxis: Wer zunehmend mehr Verantwortung für sich, seine Gesundheit und sein Leben übernimmt – ist auf dem richtigen Weg.

Zurück zur „Todsünde“. Die Evangelischen sagen dann leicht: Todsünde? Gibt es bei uns nicht.

 

Dabei geht es weniger darum, wie sich diese Menschen zu anderen Menschen verhalten. Es geht zunächst darum, wie sie zu sich selber sind.

 

Mein Eindruck:

 

Es ist katastrophal!

Aber – die – Menschen - können – wollen – es – nicht – erkennen.

 

Selten fand ich diesen Film-Titel auf das reale Leben übertragen:

… denn sie wissen nicht, was sie tun

treffender als hier.

 

Menschen erkennen (immer weniger?) was mit ihnen los ist.

Und: Menschen wollen es (immer weniger?) nicht wissen.

Und: Menschen kommen (immer weniger?) vom Denken ins Handeln.

 

Warum behandeln Menschen sich selbst so schäbig?

 

Rolf Merkle appelliert:

 

„Nur wenn Sie erkennen, dass Sie sich nichts oder im Vergleich zu anderen nur wenig gönnen und darunter leiden, werden Sie Energie haben, etwas zu ändern.“

 

Das erfordert großen Mut! Wer ist dazu bereit?

 

Dabei haben sich alle großen Denker:innen an diesem Thema längst abgearbeitet. Und da ich hier vor allem vor den INTELLIGENTEN spreche, gehe ich auch davon aus, dass das alles bekannt ist.

 

*⁀ „Der Geiz steht zur Sparsamkeit in größerem Gegensatz als die Freigiebigkeit.“ François de La Rochefoucauld 

*⁀ „Geiz und Neid sind lächerliche Eigenschaften.“ Christina/Kristina Königin von Schweden 

*⁀ „Man kann sich keine Niederträchtigkeit denken, deren ein Geizhals nicht fähig wäre.“ Adolph Freiherr Knigge, deutscher Jurist 

*⁀ „Der Geiz ist die kälteste aller Leidenschaften; wenn die andern mit den Jahren abnehmen, nimmt diese zu, daher sie auch wohl die verächtlichste und lächerlichste unter allen ist.“ Karl Julius Weber, deutscher Jurist und Schriftsteller

*⁀ „Geiz ist ja eines der verlässlichsten Anzeichen tiefen Unglücklichseins.“ Franz Kafka 

Egal was sie sagen, schreiben, philosophieren: Fast niemand fühlt sich angesprochen.

 

Aber einmal angenommen:

 

Wäre da einer – ein ganz besonderer Mensch, dem die Einsicht gelingen könnte – und dieser Mensch würde erkennen, dass da … ja … vielleicht … ein Hauch … dran … sein … könnte – was könnten wir diesem Menschen sagen?

 

Nun, wir könnten diesem Menschen sagen, was auch schon der englisch-amerikanischer Psychologe William McDougall, Hochschullehrer an der Universität Oxford, gesagt hat:

💗 "Wer Weisheit mit Heiterkeit und Liebenswürdigkeit verbindet, hat die höchste Stufe im Menschenleben erreicht."

Wir könnten sagen:

💗 Heiterkeit bezeichnet eine frohgemute, aufgeräumte, aufgelockerte Stimmung. Im Mittelhochdeutschen bedeutete Heiterkeit Klarheit. Das Antonym ist Schwermut.

Wer würde schon lieber schwermütig als heiter sein?

 

Wir könnten sagen:

💗 "Heiterkeit kann kein Übermaß haben, sondern ist immer gut; Melancholie dagegen ist immer schlecht." Baruch de Spinoza, Ethik

Klar, wer liebt schon eine durch Schwermut bzw. Schwermütigkeit, Schmerz, Traurigkeit oder Nachdenklichkeit geprägte Gemütsstimmung?

 

Wenn dieser Mensch dann erkennen würde, dass er lieber heiter als geizig sein mag – was …

 

Da hat Doris Wolf einen Leitfaden für Großzügigkeit:

 

So können Sie großzügiger werden

 

https://www.psychotipps.com/geiz%20aria%20haspopup.html

 

Ist TODSÜNDE heute überhaupt noch zeitgemäß – auch, wenn ein Professor für Religionspädagogik darüber ein wichtiges Buch geschrieben hat? Hat das alles heute noch Sinn?

 

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) schreibt dazu in einem Essay

 

„Aber den großen Geizigen, der von Freud klassisch als der "anale Charakter" beschrieben worden war, gibt es in reiner Form nur noch selten.

 

Die meisten Menschen sind heute gierig, eitel und geizig zugleich, gleichermaßen fähig zu Verschwendung und Sparsamkeit – meist in undramatischen "Ausschlägen", wenn man von Filmfiguren wie dem "Wolf of Wallstreet" oder Gordon Gekko absieht.“

 

Sind heute „die meisten Menschen“ tatsächlich gierig, eitel und geizig zugleich?

 

Noch einmal die bpb: „Der Theologe und Psychotherapeut Eugen Drewermann erinnert uns daran, dass das heutige Christentum vor allem eine Erlösungsreligion ist, im Grunde eine quasi-therapeutische Veranstaltung. Die entscheidenden Fragen sollten demnach nicht die nach Ächtung oder Bestrafung des Sünders sein, sondern: Was steckt hinter der Sünde? Was hat einen Menschen dazu gebracht, sündhaft zu handeln? Und wie kann ich dem Sünder helfen, dieses selbstzerstörerische Muster zu überwinden?

 

Die Psychologisierung und Therapeutisierung menschlichen Verhaltens ist in der Moderne weit fortgeschritten. Was einmal als Laster galt, wurde nach und nach entmystifiziert und verwissenschaftlicht. Damit wurden aber auch Erwartungen geweckt, dass das "abweichende Verhalten", wenn es erst einmal auf seine Ursachen hin untersucht und in seiner Bedingtheit erklärt ist, auch geheilt oder korrigiert werden kann. Und so besuchen Jähzornige Anger-Management-Kurse, um ihren Zorn in den Griff zu bekommen. Die Völlerei, die jetzt Essstörung oder Fettleibigkeit heißt, wird in Diätkliniken behandelt; auch für Sexsüchtige gibt es spezielle Therapien – und für die Trägen Motivationsseminare.“

 

https://www.bpb.de/apuz/197969/die-sieben-todsuenden-heute-noch-relevant

 

Wem das alles zu technisch, wissenschaftlich und zu psychologisch ist – vielleicht mag sie/er diesen Gedanken:

 

💗 💗 💗  "Das Beste, was wir auf der Welt tun können, ist Gutes tun, fröhlich sein und die Spatzen pfeifen lassen." Don Bosco, Priester und Ordensgründer. 1929 sprach Papst Pius XI. Bosco selig und am 1. April 1934 heilig.

 

Oder diesen:

 

💗 💗 💗  "Wo Liebe ist und Weisheit, da ist weder Furcht noch Ungewissheit; wo Geduld und Demut, weder Zorn noch Aufregung; wo Armut und Freude, nicht Habsucht und Geiz; wo Ruhe und Besinnung, nicht Zerstreuung noch Haltlosigkeit." Franz von Assisi,  Begründer des Ordens der Minderbrüder (Ordo fratrum minorum, Franziskaner) und Mitbegründer der Klarissen. Er wird in der römisch-katholischen Kirche als Heiliger verehrt.

 

💗  Wohl denn: Überwinden wir Angst, Furcht und Ungewissheit mit Liebe  und Weisheit. (Wie geht das? Wie und wo lerne ich das?)

 

Und: Wer aus der Maße heraustreten will, wer sich aufmacht zu neuen Horizonten, hat die beste Voraussetzung, hat das beste Rüstzeug für einen individuellen Erfolg wie auch für einen Teamerfolg – nachdem der Geiz sich in Weisheit mit Heiterkeit und Liebenswürdigkeit gewandelt hat.

 

💗  "Wer Weisheit mit Heiterkeit und Liebenswürdigkeit verbindet, hat die höchste Stufe im Menschenleben erreicht."

 

Dies wünsche ich allen Menschen von Herzen!

 

Frohe Stunden,

eure 💗Lilli

 

 


 

(1)

Alfred Adler: „Züge des Geizes wird auch der heutige Kulturmensch wenigstens spurenweise aufweisen.“

https://www.textlog.de/adler-psychologie-geiz.html

 

(2)

Was Krankheiten uns sagen. Von Dr. Elfrida Müller-Kainz, Leiterin des Instituts für Gesundheit und Persönlichkeitsbildung in Starnberg

https://www.thieme.de/de/presse/was-krankheiten-uns-sagen-redemanuskript-dr-mueller-kainz-56698.htm

Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.

Der Körper als Spiegel der Seele – Psychosomatische Erkrankungen erkennen

https://www.lzg-rlp.de/de/event/der-k%C3%B6rper-als-spiegel-der-seele-psychosomatische-erkrankungen-erkennen.html

Psychosomatik: Das Zusammenspiel zwischen Körper und Seele. Limes Schlossklinik, 15. August 2019

https://www.limes-schlosskliniken.de/blogbeitrag-psychosomatik/

Mittwoch, 27. Januar 2021

ZWILLINGSLERNPROGRAMM für Mädchen + Jungen. Impuls für eine Diskussion

 


Impuls für eine Diskussion: 


Auf diesem Blog ZWILLINGSLERNPROGRAMM

berichte ich über das Engagement:

👫 ZWILLINGSLERNPROGRAMM für Mädchen und Jungen (Arbeitstitel)

👫 A-Zwilling: Selbstverteidigungsausbildung für Mädchen und Jungen

👫 B-Zwilling: Psychologische Ausbildung für Jungen und Mädchen.

Hintergrundinformation, Entwicklung und aktueller Stand gibt es HIER.

Donnerstag, 17. Dezember 2020

Liebe Menschen: Lasst uns bitte aus dem ROTEN TUCH – den ROTEN TEPPICH machen!

 



Seit den 1990er Jahren erhalte ich immer wieder Briefe. Später dann vor allem Mails.

Zumeist von Frauen.
Inzwischen sind die Männer nachgerückt.

Alle schreiben mir: Ob jung oder nicht mehr so jung, ob Single oder mit Familie, beruflich oder privat.

Warum?

Wir kennen das doch alle: 

💝 Manchmal laufen wir im Kreis. 
💝 Oder sehen vor lauter Wald die Bäume nicht. 
💝 Oder der Mut will gerade nicht kommen, den wir doch jetzt so dringend brauchen. 

Schreiben Sie mir. 

Machen wir aus dem ROTEN TUCH den ROTEN TEPPICH FÜR SIE!

ich bin bereit für Ihre Fragen: 

🌞 Was geht Ihnen immer wieder durch den Kopf? 

🌞 Was sagt der Bauch? 

🌞 Was will das Herz wissen? 

🌞 Welches Leben und Erleben wünschen Sie sich? 

🌞 Was fehlt noch, um „es“ zu erreichen? 

Schreiben Sie mir. 
Ich antworte. 

Sonntag, 13. Dezember 2020

Liebe Hochbegabte: Welche Fragen brennen Ihnen auf der Seele? Ich antworte! Gerne!



Warum versteht mich keiner – das ist so eine Frage von hochbegabten Menschen, die mir oft gestellt wird: Warum verstehen die Menschen mich nicht?

 

Das dachte ich schon, als ich noch ganz klein war. Aber dann gab es einen Lichtblick: Ich war so zwischen 3 und 4 Jahren und meine Tante – in meiner zweiten Heimat auf dem Land, im Westerwald – erreichte, dass ich zeitweise zur Schule gehen durfte.

 

Ich durfte meine Fragen zwar erst nach dem Unterricht stellen – aber endlich konnte ich fragen und bekam die richtigen Antworten.

 

Ein Lichtblick!

 

Nicht verstanden zu werden – ist für Hochbegabte fast das Schlimmste. Allerdings nicht für alle Hochbegabte. Denn auch bei Menschen mit einem hohen IQ gibt es Unterschiede. Große Unterschiede. Sehr große Unterschiede.

 

Normalerweise erkennen wir ja die Hochbegabten sofort – weil sie irgendein Merkmal haben, dass ganz außergewöhnlich ist. Aber es gibt auch die anderen Hochbegabten – die unauffälligen Hochbegabte – wie mich.

 

Ich erzähle Ihnen jetzt eine Geschichte – vielleicht erkennen Sie sich. Und vielleicht haben Sie dann Fragen.

 

Blicken wir erst einmal auf die Typischen – und dann auf eine nicht typische Hochbegabte:

 

Es sind die kleinen Einsteins, die Picassos und die Mozarts. Sie lesen schon mit sechs Jahren „The New York Times“, korrespondieren mit fünf Jahren in Mandarin und spielen mit vier Jahren die Spatzenmesse in C-Dur. Später studieren sie dann bereits mit 14 an einer Uni und werden jüngster Professor oder jüngste Professorin.

 

Man kennt sie.

 

Dann gibt es noch die anderen.

 

Ihre Begabung ist nicht so offensichtlich. Oder: offensichtlich nur für Eingeweihte. Für Kennerinnen und Kenner. Wahrscheinlich stehen sie nicht in einem Labor. Ob sie mit dem Pinsel umgehen können? Seien Sie tapfer: Wohl eher nicht so. Ob sie eine Stradivari zu schätzen wissen? Hm.

 

Und doch haben sie ihre Begabung. Erkennbar wie gesagt fast nur für Eingeweihte.

 

Ein Beispiel: Ich war Mitglied in einem bekannten Verband, der das Wort „Wirtschaft“ in seinem Namen trägt. Es ging um ein Thema, das alle Menschen bewegt. Wirklich alle. Wirklich jeden. Es ging um Politik. Und um den Anlauf zu einem neuen Gesetz, das für alle Menschen eine Erleichterung sein sollte. Man diskutierte. Und fragte sich, wie man denn überzeugend argumentieren könnte.

 

Ich erwähnte den Gedanken einer Befragung. Sie kennen das: In jeder größeren Stadt stehen diese Interviewer auf den bekannten Einkaufsstraßen und wollen wissen, welche Zahnpasta, welches Waschmittel, welche Automarke Sie bevorzugen. Straßeninterviews nennen wir das. In Köln ist dafür z.B. die Schildergasse bekannt. Ganz zu Anfang meines Studiums habe ich da auch oft gestanden – und vielleicht sind wir uns begegnet und ich habe Sie gefragt, welche Marmelade Sie zu Ihrem Frühstück bevorzugen.

 

Vielleicht haben Sie mir geantwortet. Vielleicht waren Sie in Eile – und sind gleich weiter gezogen. Aber jetzt haben wir vielleicht Zeit für einander. Vielleicht stellen SIE ja jetzt die Fragen. Nicht auf der Schildergasse – sondern hier per Mail.

 

Zurück zur Marktforschung und zum WIR. Wir, das waren meine Kolleg*innen aus der Marktforschung und ich. Ich leitete zu jener Zeit ein Institut für Markt- und Kommunikationsforschung. Unsere Klienten aus der Politik und Wirtschaft waren sehr bekannt und angesehen und wir waren stolz darauf, für sie forschen zu dürfen.

 

In meinem Verband war das alles bekannt.

 

Ja. Sagte man: Eine Befragung auf der Straße ist ein überzeugendes Argument. Wir – wer auch immer „wir“ sein sollte – wir stellen uns auf die Straße und befragen die Menschen. Und dann geben wir – und das war der Sinn der Sache – das Ergebnis an den OB der Stadt. Der kann sie prüfen und weiter geben in den Bundestag.

 

Einer von meinen Kollegen im Verband meinte dann: Ob wir wohl 50 Menschen dazu bewegen können, mit uns zu reden?

 

Wie, sagte ich: 50 Menschen? 

 

Ja. Sagten die anderen. 50 Menschen wäre eine tolle Sache.

 

Klar sind 50 Menschen eine tolle Sache. Aber: Wie wollen wir einen OB mit den Stimmen von 50 Menschen motivieren, ein neues Gesetz in den Bundestag zu bringen?

 

Nach einer halben Stunde hatte man sich auf 100 Menschen geeinigt. Mit dem Zusatz: Ob wir das wohl schaffen werden?

 

Warum so zaghaft?

 

Die Jungs und Mädels, die hier zusammen saßen, waren die Menschen, die täglich über Millionen (!) entschieden. Ihre Denkweisen waren nicht 100 oder 1.000. Es waren 1.000.000 und mehr! Warum um alles in der Welt so zaghaft?

 

Mir war klar, dass ich meine lieben Kolleginnen und Kollegen jetzt schockieren musste. Nicht weil ich Schocks mag – aber ich musste ihnen schon sagen, wie so etwas in der Realität funktioniert. Dass man an den verantwortlichen Stellen – sorry –  100 Menschen als Beweis nicht gelten lassen wird. Man wird schmunzeln und zur Tagesordnung übergehen. Und vielleicht müssen wir das alles vergessen. Es sei denn, der Mut der Frauen und Männer würde erwachen.

 

Noch bevor ich den Gedanken: „Wie sag‘ ich es das denn jetzt?“ zu einem Satz modellieren konnte, war es bei mir raus:

 

1.000 INTERVIEWS!

 

1.000 Interviews? Der Aufschrei hat den Kölner Dom zum Wanken gebracht.

 

1.000 Interviews?

 

Diese Junior-Ausgaben der Top-Manager*innen benahm sich – als würden sie nicht bis 3 zählen können.

 

1.000 Interviews?




 

Das Entsetzen war groß. Nur unser Präsident war begeistert. Und dann ging das los, was zumeist losgeht, wenn ein Hochbegabter – eine Hochbegabte – eine Idee und einen Weg vor Augen hat:

 

🌟GEHT NICHT!

🌟FUNKTIONIERT NICHT!

🌟SCHAFFEN WIR NICHT!

🌟WIR SIND DOCH NICHT VERRÜCKT!

🌟WER SOLL DAS DENN ALLES ZAHLEN?

 

Ich hörte mir das eine Stunde an, während ich bereits das Konzept schrieb, die Umsetzung des Konzepts plante und einen Entwurf für den Fragebogen entwarf. Unser Präsident hatte mich aus den Augenwinkeln beobachtet und rief mich auf – nach vorne zu kommen und die Einzelheiten zu präsentieren.

 

Gesagt. Getan.

 

Wir fanden über 50 Mitglieder aus dem Wirtschafts-Verband, die mitmachten. Manager*innen, die ich mit meinem Team für diesen Einsatz schulte. Es waren wohl die Interviewer*innen mit den „höchsten Stundenlöhnen“, die hier und heute ehrenamtlich auf die Straße gingen und sehr mutig die Menschen nach ihrer Meinung befragten.

 

Um Mitternacht hatten wir 1.037 Interviews geschafft. Alle von meinen Forscherkollegen und mir kontrolliert. Alles perfekt. Es war ein harter Job – aber selten habe ich ein Team von inzwischen fast 100 „Mitarbeiter*innen“ so begeistert, so leidenschaftlich arbeiten gesehen.

 

👄Alles für das EHRENAMT!

👄Es wurde keine Geld ausgegeben!

👄Niemand bekam Geld für diese Arbeit!

 

Am nächsten Morgen wurde noch einmal alles kontrolliert. Und dann gingen die Fragebögen ins Rechenzentrum zur Universität der Stadt. Ich schrieb dazu einen Bericht für die Präsentation. Mein Team zeigte einen bewundernswerten Einsatz. Und so konnte ich meiner Assistentin auch nicht die Bitte abschlagen, die Ergebnisse beim OB präsentieren zu dürfen.

 

Der OB schien sehr zufrieden. Und so wanderten unsere Ergebnisse weiter „nach oben“: In den Deutschen Bundestag.

 

Und so wurde aus unserer Idee der Beweis, dass diese 1.000 Menschen diese Verbesserung ihres Alltags wirklich alle, alle wollten.

 

Schließlich wurde aus dem Beweis ein Gesetz in Deutschland, das jedem Menschen den Alltag etwas besser macht.

 

Nein, so faszinierend wie ein Picasso ist dieses Gesetz nicht. Auch nicht so charmant wie eine Melodie von Mozart.

 

Aber es erleichtert seitdem jedem Menschen das Leben.

Und das Tag für Tag in Deutschland.

 

Hochbegabte sind manchmal anders.


Ihre Ergebnisse sind weniger prickelnd – aber sie können die Türen öffnen, die verschlossen waren. Sie können Sachen wieder ans Laufen bringen – an die niemand mehr geglaubt hat. Und: Sie können in der Krise ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.

 

Wenn Sie hochbegabt sind und Fragen haben: Mailen Sie mir bitte Ihre Fragen: lillicremeraltgeld@t-online.de

 

Wenn Sie – vielleicht - hochbegabt sind und Fragen haben: Mailen Sie mir bitte Ihre Fragen: lillicremeraltgeld@t-online.de

 

Danke.

Ich freue mich auf Sie.

Echt jetzt!

 

 

Herzlichst,

Ihre 

Lilli Cremer-Altgeld

lillicremeraltgeld@t-online.de



Lilli Cremer-Altgeld

Lilli Cremer-Altgeld
Lilli Cremer-Altgeld ist gelernte Print-, Radio- und Fernseh-Journalistin. Im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) hat sie über internationale Wirtschaftspolitik geschrieben. Als Universitätskuratorin leitete sie den Arbeitskreis Presse an der Privaten Universität Witten/Herdecke. Sie hat an der Fortbildungsakademie der Wirtschaft in Köln, Leipzig und Dresden Kommunikation unterrichtet und wurde aufgenommen als Mitglied im Rednerlexikon für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Ihre Seminare und Vorträge führten sie durch Deutschland, Europa, in die USA, in die Karibik und nach Afrika. Von der Stadt Köln ist Cremer-Altgeld für Ihre Arbeiten mit dem Museumsportrait 'Kölner Persönlichkeiten' ausgezeichnet worden ebenso wie mit der gleichnamigen Veröffentlichung von Professor Alphons Silbermann und Peter H. Fürst. Auswahlkriterien waren: Wer »hervorragend geeignet erschien, sein Köln in all seiner Lebendigkeit und Farbigkeit, seiner menschlichen Wärme und hohen Intellektualität zu vertreten.« Cremer-Altgeld ist Bloggerin. Sie interviewt Menschen aus allen sozialen Milieus: unbekannte, unerkannte, bekannte, berühmte und weltberühmte Persönlichkeiten. Sie schreibt und arbeitet als Beraterin für Wirtschaftsunternehmen, Institutionen und Prominente aus Politik, Wirtschaft und Kultur lillicremeraltgeld@t-online.de

Hochbegabt?

Was tun bei Depression?

Liebe Hochbegabte!

Jetzt ist die Krankheit in aller Munde: Depression.

Wie wir wissen, hatte nicht nur Robert Enke damit zu kämpfen, auch Sebastian Deisler und Sven Hannawald waren davon betroffen. Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs.

Experten sprechen bereits von einer «Volkskrankheit».

Was wissen wir von der Depression?

o Wie kann man sie erkennen?
o Was sind die Symptome?
o Bei welchen Menschen tritt die Depression auf?
o Sind Hochbegabte besonders betroffen?
o Können Kinder und Jugendliche depressiv sein?

Antworten gibt z. B. das „Kompetenznetz Depression, Suizidalität“ http://www.kompetenznetz-depression.de/
Dies ist ein „bundesweites Netzwerk zur Optimierung von Forschung und Versorgung im Bereich depressiver Erkrankungen. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)“.

Das Netzwerk schreibt u. a. über

o Krankheitsbild und Formen der Depression
o Symptome der Depression
o Verändertes Erleben
o Verändertes Verhalten
o Körperliche Beschwerden

und bietet umfangreiche Hintergrundinformationen, Links und Tipps.


Hier geht es zum Selbsttest:


http://www.kompetenznetz-depression.de/
Unter „Für Betroffene“

Weitere Hilfe gibt es hier:

http://www.forumseele.de/

http://www.deutschedepressionshilfe.de/

http://www.psychotherapiesuche.de/

Ergänzend habe ich nachstehend Bücher zum Thema „Depression – Kinder und Jugendliche“ sowie „Depression – Erwachsene“ für Menschen, die sich mit der Depression auseinandersetzen, zusammengestellt.

Ich wünsche Ihnen alles Gute!


Herzlichst
Lilli Cremer-Altgeld